Herausforderungen

Jede oder Jeder geomantisch Tätige definiert sich eigenständig innerhalb des eigenen Berufsbereichs, das ist auf der Suche nach einem Berufsbild eine Herausforderung. Das Selbstverständnis, Geomant oder Geomantin zu sein, ist jeweils in einem individuellen Prozess gewachsen. Die Aufgabe besteht nun darin, den Kern geomantischer Tätigkeit, die gemeinsame Grundlage in der Vielfalt der Angebote, in der Gesellschaft kommunizierbar zu machen.

Zu den Herausforderungen gehört auch der Schatten, den die Geomantie aus der Zeit des Nationalsozialismus mit sich trägt. Wie viele lebensbejahende und spirituelle Themen der Lebensreformbewegung um die vorige Jahrhundertwende geriet auch die Geomantie in den Strudel der NS-Zeit. Die der SS unterstellte Gesellschaft "Ahnenerbe" befasste sich beispielsweise mit Forschungen zu "Heiligen Linien" zum Zwecke der Eroberung anderer Länder. Die Geschichte zeigt, dass sich Geomantie zum politischen Missbrauch geradezu eignet, weil die Wirkung von Orten und Räumen eben manipulativ eingesetzt werden kann. Sich mit dieser Manipulationskraft bewusst auseinanderzusetzen, gehört zur geistigen Hygiene, zu der alle im Bereich Geomantie arbeitenden Menschen herausgefordert sind.

Eine weitere Herausforderung liegt darin, dass man sich im Berufsfeld der Geomantie ständig im Spannungsfeld zwischen "spirituellen" und "profanen" Aufgaben bewegt. Galt Geomantie im Mittelalter als Geheimlehre mit hohem spirituellen Gehalt, fragt man sich heute, wie der Beruf möglichst „normal“, pragmatisch und lebensnah dargestellt werden kann. Da Bewusstseinsarbeit integraler Bestandteil jeder Geomantie ist und damit die spirituelle Dimension immer eingeschlossen ist, kann es nicht darum gehen, Geomantie auf rein sachlich-rationale Themen zu reduzieren. Man kann vielmehr darauf bauen, dass es in Zukunft immer selbstverständlicher wird, die spirituelle Dimension des Lebens in alle gesellschaftlichen Bereiche zu integrieren und in einer reflektierten, angenehmen Sprache zu beschreiben.

Die Arbeitsgruppe war sich bewusst, dass „die Gesellschaft“ nichts Festgefügtes ist, sondern dass man selbst gesellschaftliche Bewegungen initiieren und mitgestalten kann. Geomantie kann ein Beitrag zum Bewusstseinswandel sein, der überall stattfindet.
Ganz offensichtlich ist heute im Bereich der kulturkreativen Gesellschaftsschichten eine wachsende Nachfrage nach geomantischer Beratung oder Aus- und Weiterbildung feststellbar.